Die Anfänge in Timor-Timur 2011

Waisenhaus Timor-Timur

Neben den Waisenhäusern Enrekang und Baraka haben wir nun vier weitere Waisenhäuser für die Wüstenkind-Projekte ausgesucht. Etwa 220 Wüstenkinder kommen damit zu unseren Projekten hinzu. Die Waisenhäuser Timur-Timur und Bustanul befinden sich in Makassar, der Hauptstadt von Süd-Sulawesi. Diese Stadt ist gut erreichbar, außerdem lebt hier auch die Familie unseres Projektkoordinators, daher bringt die Versorgung dieser Waisen keinen logistischen Mehraufwand mit sich.

Wir haben diese Waisenhäuser ausgesucht, weil sie in einem ähnlich schlechten Zustand sind, wie es zuvor in Enrekang und Baraka der Fall war. Daher haben wir auch schnell gehandelt und konnten bereits erste Hilfe leisten. Wir haben uns zunächst nur für kleine Notwendigkeiten entscheiden, weil wir erst mal sehen müssen, wie die Organisation mit den neuen Waisenhäusern und den dortigen Ansprechpartnern klappt und ob sie unsere Qualitätskriterien an die Zusammenarbeit erfüllen.
Das Pilotprojekt verlief sehr erfolgreich. Je nach Bedarf der Häuser gab es für die Kinder Kissen, Küchengeräte zur Versorgung, Regale, Geschirr sowie diverse Schulmaterialien wie Stifte und Hefte.
Zur Sichtung des Projektes waren auch Vertreter lokaler Behörden geladen. Diese beeinflussen zwar nicht unsere Projekte, sie helfen uns jedoch bei der Auswahl bedürftiger Waisenhäuser, und unsere Offenheit fördert die Zusammenarbeit vor Ort.

Es ist wichtig, dass in diesen Waisenhäusern zügig Hilfe geleistet wird. Hier wurde uns wieder bewusst, wie viel wir in den anderen Waisenhäusern schon erreicht haben, und wir wollen auch diesen Kindern schnell zu einem vernünftigen und, so Gott will, sogar angenehmeren Zuhause verhelfen. Die Kinder vermissen schließlich die Nähe, in der eigenen Familie zu wohnen.

Die Kinder in Makassar nahmen außerdem freudig Ziegenfleisch entgegen. Die Tiere wurden als Aqiqa an die Wüstenkinder gespendet. Aqiqa ist eine Opfergabe, die im Islam zur Geburt von Kindern üblich ist.
Für unsere Kleinen in Indonesien ist Fleisch etwas ganz Besonderes. Üblich sind höchstens Fisch oder Geflügel, da andere Fleischsorten deutlich teurer sind. In den Waisenhäusern kommen also nun reichhaltige Festessen auf den Tisch, und das Fleisch wird für mehrere Mahlzeiten ausreichen. Reis gab es auch dazu. Weitere Aqiqa-Spenden sind natürlich willkommen, wenn es die Projektsituation erlaubt.
Unsere Ramadanprojekte sind geplant. Damit wir allen Waisenhäusern gerecht werden können, beschränken wir uns auf Aufmerksamkeiten, welche die Kinder dringend brauchen, wie zum Beispiel Kleidung. Es sind aber auch Essen zum Fastenbrechen (Iftar) geplant sowie der Besuch eines Geschichtenerzählers, der jeweils einen besinnlichen Abend in den Waisenhäusern gestaltet. Bereits letztes Jahr konnten wir den Kleinen in Enrekang und Baraka hiermit große Freude bereiten, das wollen wir auch dieses Jahr nicht missen.

Im August konnten wir dann entsprechend auch die Kinder in Timor-Timur schon mit unserem ersten Ramadan-Projekt erfreuen. So gab es ebenso wie für die Waisenhäuser Enrekang, Baraka und Bustanul Festessen zum Frühstück vor dem Fasten (Sohur) sowie zum abendlichen Fastenbrechen (Iftar), Vorträge eines Geschichtenerzählers mit leckerem Imbiss und Geschenke zum abschließenden Ramadanfest (Id ul-Fitr). Die Geschichten, die immer bei einem besinnlichen Abend vorgetragen wurden, hatten stets Realitätsbezug und haben die Kinder nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt und motiviert. Neben diesen Abenden lag auch in den gemeinsamen Festessen ein besonderer Segen. Die Kinder und alle beteiligten Betreuer genossen diese schöne gemeinsame Zeit. Als Geschenke verteilten wir wie immer Nützlichkeiten, und so gab es für die zurzeit 77 Kinder entsprechende Kleidung in guter Qualität, meist aus zwei oder drei Teilen bestehend. In Deutschland ist Kleidung zumeist etwas Alltägliches, nicht jedoch für unsere Waisenkinder. Wenn Besuch im Waisenhaus ansteht, tragen die Kinder stolz und fröhlich ihr neuestes Gewand.

In unserem letzten Newsletter berichteten wir bereits über den kleinen Neuankömmling in Timor-Timur. Überraschend wurde ein Neugeborenes nach seiner Geburt im Waisenhaus zurückgelassen. In Indonesien ist es sehr selten, dass Eltern aus der Not heraus überhaupt ein Waisenhaus für ihr Kind in Erwägung ziehen, die Not muss also wirklich sehr groß sein.

Das kleine Mädchen wurde selbstverständlich ins Waisenhaus aufgenommen, und wir versuchen, ihm die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen – sowohl hinsichtlich der nötigen Grundversorgung wie auch der liebevollen Zuwendung für das verlassene Baby. Wenigstens hat es nun viele Geschwister, die sich über die Ankunft des Babys freuen. 

Die kleine Mujahida ist inzwischen fünf Monate alt und hat ebenso wie die anderen Kinder im Waisenhaus Geschenke zum Ramadanfest erhalten. Das Baby musste erst mal von Grund auf ausgestattet werden und hat dementsprechend gleich zehn Kleidersets bekommen sowie eine Wiege. Die Leitung des Waisenhauses sieht in dem Baby einen besonderen Segen, da unsere Hilfe hier fast zeitgleich mit der Geburt des Mädchens begann. So bringt das Kind sozusagen die Hilfe aus Deutschland mit: Was für ein schöner Gedanke! Wir wollen uns auch weiterhin unserem kleinsten Wüstenkind annehmen, soweit uns das sinnvoll erscheint.

Auch konnten wir in Timor-Timur schon mit ersten Renovierungen beginnen. Das Dach des Gebäudes erhielt eine neue Unterkonstruktion, wodurch die Räumlichkeiten nun vor zu starker Wärme oder Kälte sowie vor Insekten geschützt sind. Bei Fertigstellung war das bessere Raumklima gleich spürbar. Bisher fehlende Utensilien zur Reinigung der Räumlichkeiten stehen nun auch zur Verfügung.

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