Neuigkeiten aus Somalia und Reisebericht

Mein 2. Besuch bei den Waisenkindern in Baydhoba – Somalia

Um einen bestmöglichen Eindruck unserer Tätigkeiten in Somalia vermitteln zu können, veröffentlichen wir an dieser Stelle den Reisebericht von Mohamed, der gerade von seiner zweiten Projektreise zurückgekehrt ist. Unser neues Projekt dort nimmt immer konkretere Züge an, und die bisherigen Erfolge lassen uns hoffen, hier dauerhaft tätig sein zu können. Nochmals kurz zur Erinnerung: Wir konnten eine Firma beauftragen, den seit vielen Jahren gestoppten Bau des Waisenhauses fortzuführen, um den Kindern ein akzeptables Zuhause zu bieten. Zusätzlich investierten wir in die Bildung der Kinder, die derzeit noch im Waisenhaus unterrichtet werden, und besorgten neue Kleidung.

 

Die Anfänge in Somalia        Das fertiggestellte Erdgeschoss

 

Um die Strecke von Mogadischu zu unserem Waisenhaus in Baydhoba zurücklegen zu können, muss man einiges an Zeit mitbringen. So benötigt es mindestens drei Tage Vorlaufzeit, um abzuschätzen, ob die aktuelle Sicherheitslage die Reise zulässt, und um einen passenden Konvoi zu finden. Diesmal bekamen wir erst zehn Stunden vor Abreise die Nachricht, dass zur Morgendämmerung des folgenden Tages ein Konvoi starten würde. Nach sieben Stunden Fahrt auf schlechten Straßen, immer wieder unterbrochen von Kontrollen durch bewaffnete Wegposten, kamen wir schließlich am Ziel an. Ich war sehr glücklich, die Fortschritte bei der Fertigstellung des Waisenhauses zu sehen, das ich ja bisher nur als Rohbau kannte: Inzwischen konnte mit Unterstützung durch Wüstenkind das Erdgeschoss fertiggestellt werden, so ähnelt das Gebäude zunehmend einer wirklichen Behausung, nachdem die Kinder jahrelang nur im Keller des Rohbaus nächtigen konnten.

Nach einer Besichtigung des Gebäudes und der äußerst herzlichen Begrüßung aller Kinder unterhielt ich mich lange mit der Leitung des Waisenhauses über die nächsten Schritte: die aktuelle Unterrichtssituation, welche Schule sie im nächsten Jahr besuchen können, wie wir die Lage der Kinder im Allgemeinen verbessern können, welche Einrichtungen dringend benötigt werden – wie bspw. Möbel für das Klassenzimmer des Waisenhauses, und dass alle Kinder eine ärztliche Untersuchung erhalten sollen – was bisher noch nie geschehen war.

Am nächsten Tag versammelten wir uns mit allen Kindern und Betreuern und ich erzählte ihnen ausführlich, was genau unser Projekt ist und welches unsere Ziele in Somalia sind. Die Kinder, die zum ersten Mal an einer Versammlung teilgenommen haben, begriffen nach und nach, dass es in diesem Projekt hauptsächlich um sie geht, bzw. dass es Menschen außerhalb ihres Waisenhauses gibt, denen ihr Schicksal am Herzen liegt. Dass ich auch einige Flyer unseres Vereins Wüstenkind e.V. verteilte, damit sie sehen können, dass sie nicht alleine auf der Welt sind, sondern viele andere Kinder ihr Schicksal teilen, konnte ihre Freude noch verstärken. Sie zeigten sich sehr neugierig und stellten viele Fragen zu den Kindern in Indonesien – z.B. wie sie leben, wie sie lernen und wie sie sich fühlen. Am Ende der Versammlung fragte ich in die Runde, was sie sich wünschen und was wir noch verbessern könnten. Für die Kinder war das eine gänzlich unbekannte Situation, und da sie wohl immer noch erstmal verdauen mussten, dass sich überhaupt jemand für sie interessiert und helfen will, trauten sie sich nicht, offen zu sprechen. Deshalb entschied ich mich, alle einzeln Kinder zu befragen.

 

Gespräche mit den Kindern in Somalia       Gespräche mit den Kindern in Somalia

 

Nach dem ich mich mit den meisten unterhalten hatte, war ich erstaunt, dass fast alle Kinder die gleichen drei Wünsche äußerten: Dass unser Projekt ihnen eine sichere Zukunft ermöglicht, dass mehr für ihre Gesundheit getan wird und dass sie eine Schule besuchen können. Um den Kindern eine Freude zu bereiten, hatten wir zuvor Süßigkeiten gekauft und verteilten diese im Anschluss an alle Kinder – die Freude in den Gesichtern der Kinder war unbeschreiblich.

 

Süßigkeiten für die Kinder in Somalia

 

Am Abend kontaktierten wir unsere lokalen Partner telefonisch, und vereinbarten einen Termin für den nächsten Morgen. Am nächsten Tag wurde ich um halb acht durch das Qura’an rezitieren der Kinder geweckt. Nach einem kurzen Frühstück machte ich mich mit dem Leiter des Waisenhauses auf den Weg zu unseren Partnern. Doch explodierte auf dem Weg dorthin ganz in der Nähe eine Bombe, als wir gerade durch eine Marktstraße liefen. Die Situation war schrecklich und chaotisch, es gab offenbar viele Tote und Verletzte, und die Straße war auf einmal voller Bewaffneter. Wir flüchteten sofort zurück ins Waisenhaus, bevor das Militär eine Ausgangssperre verhängte. Dennoch gelang es dem Leiter unserer örtlichen Partnerorganisation, zu uns zu gelangen, und so konnte das gewünschte Gespräch dennoch stattfinden. Nach einer langen Unterhaltung beschlossen wir folgende Schritte:

  1. Wir suchen und beauftragen einen vertrauenswürdigen Arzt, einen Kostenvoranschlag für die medizinische Untersuchung aller Kinder zu erstellen.
  2. Ein Bauunternehmen soll einen Kostenvorschlag für den Rohbau sanitärer Anlagen erstellen.
  3. Nach Ende des Ramadans sollen die ersten 15 Kinder eine Schule besuchen; wir übernehmen dabei die monatlichen Schulkosten von 10 USD pro Kind pro Monat.
  4. Es sollen zwei zusätzliche Lehrer eingestellt werden, die im Waisenhaus nachmittags die Fächer Mathe, Englisch und Arabisch unterrichten.
  5. Es soll eine Putzfrau eingestellt werden, die ebenfalls auf die hygienische Situation der Kinder achtet.
  6. Wir beschaffen Tische und Stühle für den neu gebauten Unterrichtsraum des Waisenhauses.

Nach einem gemeinsamen Dua für alle am Wüstenkind-Projekt beteiligten, für alle Spender und mit viel Salam für alle anderen Waisenkinder verabschiedete ich mich am dritten Tag mit dem Versprechen an die Kinder, dass wir alles tun werden, was in unserer Macht steht, damit wir unsere gesetzten Ziele erreichen.

 

 

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