Reisebericht Max & Marie, Sulawesi, Dez 2011/ Jan 2012

Im Rahmen unserer Asienreise hatten wir die Möglichkeit, in Sulawesi den  Wüstenkind-Projektmanager Nasruddin zu treffen und mit ihm vier der unterstützten Waisenhäuser zu besuchen. Bereits noch in Deutschland konnten wir einen groben Zeitplan erstellen; das 30-Tage-Visum für Indonesien erhält man problemlos bei der Einreise.

Am späten Nachmittag des 24. Dezembers landen wir in Makassar, mit einer knappen Million Einwohnern die Hauptstadt Sulawesis und der Provinz Süd-Sulawesi, in der alle von Wüstenkind unterstützten Waisenhäuser liegen. Nasruddin holt uns am Flughafen ab und begrüßt uns überaus herzlich. Nach einem Tag Sightseeing in Makassar machen wir uns am 26. Dezember mit einem Mietwagen auf den Weg nach Enrekang, dem ersten Ziel unserer Tour.

Nach einer schönen, etwa fünfstündigen Fahrt – zunächst entlang der Westküste Sulawesis und dann ins zentrale Bergland hinein – kommen wir am späten Nachmittag in Enrekang an und sind von der Größe der Stadt und besonders der öffentlichen Bauten überrascht. Die ganze Stadt wirkt weitaus weniger provinziell als erwartet; auch insgesamt macht Sulawesi bisher einen sehr aufgeräumten und besser organsierten Eindruck, als wir es bislang bspw. aus Bali kannten.

RIDHA, Enrekang

Am 27. Dezember ist es endlich soweit und wir besuchen mit Ridha das erste Waisenhaus unserer Tour. Zwar war bekannt, dass Besuch aus Deutschland ansteht und dieser wurde bereits sehnsüchtig erwartet, als es dann endlich soweit ist, scheint die Überraschung und Freude groß und Neugier zeichnet sich verhalten in allen Gesichtern ab. Sowohl die Kinder als auch Betreuer begegnen uns anfangs sehr schüchtern. Allerdings sind wir selbst auch nicht weniger schüchtern und unbeholfen – die uns unbekannte Kultur und die Sprachbarriere sorgen für eine zunächst eher zaghafte Annäherung. Im Hauptraum des Waisenhauses sitzen wir gegenüber allen Kindern und stellen uns vor, wer wir sind, was wir bei Wüstenkind machen, warum wir hier sind; überbringen Grüße aus Deutschland und zeigen, wie froh wir sind, endlich vor Ort sein zu können. Nasruddin übersetzt und führt uns nach der Vorstellungsrunde durch die Räume des Waisenhauses.

Es freut uns, nicht mehr nur auf Fotos, sondern vor Ort zu sehen, welche Früchte die Arbeit von Wüstenkind, unseres Projektmanagements und nicht zuletzt die Zuwendung unserer Spender trägt: Fast jedes Kind hat inzwischen ein eigenes Bett und eine neue Matratze, sämtliche Sanitär- und Waschbereiche – Bäder und Toiletten, der Waschplatz im Hof und Teile der Küche – sind sauber gefliest und das Dach über dem Schlafzimmer der Jungen, in dem die Temperatur vor der Renovierung oftmals über 30 Grad lag, ist gegen Hitze isoliert. Und auch die neuesten Verbesserungen sind eindrucksvoll sichtbar: Der neue Wassertank ist samt Leitung in die Bäder installiert, und das Waisenhaus verfügt nun über eine kleine aber wachsende Bibliothek und ein eigenes Büro mit PC, das die Organisation und Administration immens erleichtert.

Nach der Tour durch die Räumlichkeiten finden wir uns alle wieder im Hauptraum ein und ich starte auf dem mitgebrachten Laptop eine kleine Präsentation der Wüstenkind-Website samt Bildern und Berichten aus Ridha, was die Kleinen ungemein interessiert. Alle Schüchternheit ist vergessen und ich bin dicht umringt von kleinen neugierigen Gesichtern, die sofort in Lachen ausbrechen, sobald sie sich selbst auf einem der Fotos wiedererkennen. Insgesamt sind wir beeindruckt von den vielen kleinen Persönlichkeiten; etwas, das uns schon beim Besuch der einzelnen Zimmer aufgefallen war. Dass jedes Kind ein wenig Raum nur für sich selbst hat, scheint eine feine Sache zu sein, denn fast an jeder Wand neben den jeweiligen Betten hängen kleine Zeichnungen; und am Kopfende der Betten der älteren Kinder steht ein Pappkarton mit persönlichem Lesestoff und Schulheften.

Später erläutert uns Sarbia, Nasruddins Schwester und Haushaltslehrerin/ Betreuerin in den Waisenhäusern der Region Enrekang, ihre Tätigkeiten mit den Kindern bzw. welche Bastelprojekte gerade verfolgt werden. Als Beispiel zeigt sie uns eine aus widerstandsfähigem Garn geknüpfte kleine Tasche mit Druckknopfverschluss. Bei dem Mädchen, das genau diese Tasche gearbeitet hat, ist die Freude riesig, als Marie sich entschließt, die Tasche zu kaufen.

Bereits beim Verlassen des ersten Waisenhauses fällt uns der Abschied schwer, denn nach der anfänglichen Schüchternheit auf beiden Seiten war die Stimmung doch recht schnell unglaublich herzlich. Doch wir haben bereits den Entschluss gefasst, dass dieser Besuch in Sulawesi nicht der letzte gewesen sein wird! Nasruddin weist uns noch darauf hin, dass die Kinder des Ridha Waisenhauses ganz in der Nähe mittels eines Kopierers einen kleinen Copyshop aufgebaut haben, der angesichts der vielen Schulen in der unmittelbaren Umgebung entsprechend Zuspruch findet. Zudem ist die Einrichtung eines kleinen Essensstandes angedacht, in dem die Kinder selbst Gebackenes an Passanten verkaufen werden. Wir sind gespannt!

Am Nachmittag starten wir mit dem von Wüstenkind finanzierten Motoroller und einem weiteren Moped Richtung Kaluppini, Nasruddins Heimatdorf, in dem Wüstenkind auch kleinere Projekte umsetzen konnte. Der Weg führt uns auf einer abenteuerlichen Fahrt über holprige und von Schlaglöchern und Geröll übersäten Wegen sehr steil in die Berge. Leider müssen wir aufgrund einsetzenden Starkregens unsere Tour zunächst unterbrechen und uns bei einem kleinen Kiosk unterstellen; nach zwei Stunden Dauerregens und der zunehmenden Überschwemmung des Weges brechen wir bedauernd ab und fahren zurück nach Enrekang.

ADNIN, Baraka

Am nächsten Tag fahren wir in das etwa eine Stunde entfernt gelegene Dörfchen Baraka, um das Adnin Waisenhaus, in dem die jüngsten Kinder leben, zu besuchen. Im Vergleich zu Baraka scheint Enrekang eine Metropole, auch das Waisenhaus macht von außen einen sehr viel provisorischeren und ärmlicheren Eindruck. Während in der Provinzhauptstadt Enrekang ein großer Teil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst steht, leben fast alle Menschen in der Gegend Baraka von der Landwirtschaft. Doch unser erster Eindruck wird vom Empfang und der anschließenden Zeit in Adnin schnell geändert: Unter der Leitung der bewundernswert energischen Gründerin, Leiterin und Betreuerin Itjek leben 25 Jungen und Mädchen, die uns recht schnell sehr offen und herzlich begegnen. Die Atmosphäre in Adnin nimmt uns gefangen und wir sind vom Eintreten in das Haus an begeistert von allem, was dort mit einfachsten Mitteln aufgebaut wurde!

Der Ablauf gleicht dem Besuch in Ridha: Wir stellen uns vor und erzählen ein wenig, Nasruddin übersetzt und gibt uns anschließend eine Tour durch das sehr kleine Haus. Mithilfe unseres Vereins konnten auch hier den Kindern weitgehend Schlafplätze, bzw. Betten und Matratzen ermöglicht werden; eingeschränkt nur von den extrem engen Platzverhältnissen des Hauses. Zwar sehr gut gepflegt und im Rahmen der Möglichkeiten perfekt eingerichtet und organisiert, platzt das Waisenhaus aus allen Nähten. Doch hier zeichnet sich bereits Abhilfe ab, denn vor einem Jahr hat Itjek mit dem Bau eines neuen mehrgeschossigen Hauses begonnen. Der Bau finanziert sich ausschließlich aus Spendenmitteln und Zuschüssen der Lokalregierung; aktuell allerdings scheint der Weiterbau des ambitioniert geplanten Projekts leider zu stocken. Wir besichtigen den Rohbau zusammen mit Nasruddin und erkennen die Problematik, die diesbezüglich in der Zusammenarbeit mit Wüstenkind liegt: Ein solches Projekt übersteigt aktuell unsere Möglichkeiten, zudem arbeitet der Verein vor allem im Bereich Grundlagensicherung und –verbesserung erfolgreich; um hier zu helfen, müssten Projekte in anderen Waisenhäusern auf Eis gelegt werden. Allerdings wünschen wir Itjek und den Waisenkindern, dass der Bau des dringend benötigten neuen Hauses schnell weitergeführt und zu Ende gebracht werden kann!

Während unserem Ausflug zum Bauprojekt bekamen die Kinder ihr Mittagessen und auch uns wurde unerwartet ein kleines, aber köstliches Mahl serviert. Im Anschluss an die Essenspause sitzen wir wieder mit den Kindern zusammen, zeigen die Wüstenkind-Website, was wieder ein großes Hallo! und ausgelassenen Spaß bei den Kleinen auslöst und verbringen noch eine wunderschöne Stunde im Kreise der Waisenkinder. Als wir wieder abfahren, sind wir voll Begeisterung, voller Eindrücke und angesteckt von der Energie der Kinder und der liebevollen Atmosphäre, die sich in allen Gesichtern zeigt.

BUSTANUL, Makassar

Nach einer Unterbrechung von einigen Tagen um den Jahreswechsel, die Nasruddin mit seiner Familie und wir in Tana Toraja verbringen, treffen wir uns am 4. Januar in Makassar wieder, um die dort gelegenen Waisenhäuser aufzusuchen. Am ersten Tag führt uns der Weg ins Haus Bustanul, das nicht nur aufgrund der Anzahl dort lebender Kinder einen Unterschied zur Region Enrekang darstellt. Wie auch das Waisenhaus Timor-Timur, das wir am nächsten Tag besuchen werden, wirkt das Bustanul Waisenhaus bereits durch seine Lage in einer Großstadt anders. Ganz ähnlich jedoch ist auch hier der herzliche Empfang durch die Leiterin des Hauses und die offene und zugewandte Art der Kinder. Sogar eine Bekannte der Leiterin ist vor Ort, die ebenfalls Englisch spricht und zum Teil für uns übersetzt und sehr zu unserer Überraschung eine kleine, sehr emotionale Willkommensrede für uns vorbereitet hat. Wir sind gerührt von der Aufmerksamkeit und freuen uns über den servierten Kuchen, der uns kurz Zeit gibt, unsere Rührung zu verarbeiten und uns angemessen zu bedanken.

Neben den Schlafräumen für die insgesamt 80 dort lebenden Kinder gibt es in Bustanul auch einen Kindergarten und eine Grundschule, deren Besuch kostenfrei ist und die auch von Nachbarskindern angenommen werden. Wir sind beeindruckt, von dem kleinen Straßen-Kiosk der von Waisenkindern geführt wird und Geschäftsgrundlagen vermittelt, und der eigenen Anlage zur Trinkwassereinigung und –aufbereitung, die sich auch gut mit den von Wüstenkind bereitgestellten Wasserkühlern/ -spendern in den Schlafräumen ergänzt. Nach der Tour durch das Haus sitzen wir noch lange mit den Kindern und Betreuerinnen zusammen, denn hier kommen auf einmal einige Fragen aus den Reihen der Kinder, teils sogar auf Englisch: Was wissen die Menschen in Deutschland von Indonesien? Lernen die Kinder dort in der Schule Indonesisch? Wie ist der Winter in Deutschland? Und: Wann kommt Ihr wieder zu uns?

Schweren Herzens und mit einer ganzen Ladung neuer Eindrücke verlassen wir Bustanul und freuen uns, wie es ein solches Projekt in einer großen Stadt wie Makassar schafft, erfolgreich seinen ganz eigenen Weg zu gehen und so vielen Kindern ein familiäres und liebevolles Zuhause zu bieten!

TIMOR-TIMUR, Makassar

Einen Tag vor unserer Abreise aus Indonesien besuchen wir Timor-Timur, mit seiner Größe und 78 Kindern fast ein kleines Dorf in der Stadt. Während in allen vorher besuchten Waisenhäusern der eingeschränkte verfügbare Platz eine zentrale Rolle spielte, fällt in Timor-Timur zuerst auf, wie weitläufig und offen das ganze Gelände mit mehreren Häusern ist. Wir sind positiv vom guten Zustand des Waisenhauses und aller Anlagen überrascht: Alle Räume, der Innenhof sowie der Vorhof sind penibel gepflegt und den Möglichkeiten entsprechend schön angelegt. Mit der Hilfe von Wüstenkind wurden auch hier für alle Kinder Matratzen angeschafft – und noch während unseres Besuchs erreicht Nasruddin mit einem Anruf bei der Schreinerei die verbindliche Zusage, dass auch die noch fehlenden Stockbetten für die zwei Schlafsäle der Jungen in der kommenden Woche geliefert werden, sodass wir mit unserem Besuch noch eine gute Nachricht mitbringen können.

Die Tour nach der Vorstellungsrunde fällt aufgrund der Größe des Waisenhauses und des Geländes etwas länger aus, denn neben einer im Innenhof gelegenen kleinen Moschee, einem Kindergarten und einer Grundschule hat Timor-Timur auch eine eigene Junior High-School, deren Besuch wie in Bustanul auch für Nachbarskinder kostenfrei ist, und die von ehrenamtlich tätigen Lehrern geführt wird. Ein Eindruck zog sich bereits durch die vorangegangenen Waisenhäusern und wird hier einmal mehr deutlich: Es ist bewundernswert, wie viel Engagement für das Wohl der Kinder aufgebracht wird! Unsere Freude ist besonders groß über die kleine Mujahidda, mittlerweile sechs Monate alt und unser jüngstes Wüstenkind. Die Kleine ist gesund, putzmunter und strahlt uns aus ihren riesigen Augen an.

Wie in Bustanul sitzen wir noch eine Weile mit den Kindern zusammen, zeigen die Website und beantworten auch hier eine Menge Fragen über uns, den Verein und zu Deutschland. Wir können uns nur schwer losreißen von den vielen Gesichtern, die uns aufmerksam und interessiert mustern und all der Freundlichkeit, die uns entgegenschlägt. Dennoch findet auch dieser Besuch leider ein Ende und wir machen uns auf den Rückweg in unsere Unterkunft, um all die Eindrücke zu verarbeiten und zu besprechen, die wir auf diesem Reiseabschnitt sammeln durften. Am Abend laden wir Nasruddin zu einem  schönen Essen ein und besprechen unsere Eindrücke und Notizen, diskutieren Fragen, die sich in der Zwischenzeit aufgetan haben, und machen Pläne für die Zukunft – welche Renovierungen sind noch notwendig, welche Möglichkeiten gibt es, den Kindern noch bessere Bildung zu ermöglichen, welche Ideen könnten noch umgesetzt werden, um die Unterstützung der Waisenkinder weiterhin so erfolgreich und wohlbringen aufrecht zu erhalten.

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