Reisebericht Tamim, Sulawesi, April 2013 — Teil 2

14.04. – Sonntag – Baraka – Adnin  - Ridha

Heute geht es morgens Richtung Baraka und das dort gelegene Waisenhaus Adnin. Zudem planen wir, noch ein neues potenzielles Waisenhaus zu besuchen. Wir machen zunächst einen Stopp am lokalen Markt. An der Reaktion der Menschen erkennen wir, dass wir hier so exotisch wirken wie die meisten Früchte auf uns. Wir kaufen diverse Mitbringsel für die Waisenkinder ein, vor allem viel Obst.

Angekommen in Adnin empfängt uns ein Meer gelb und rot gekleideter Kinder, die schon gespannt auf uns gewartet haben. Wir werden ins obere Stockwerk des neuen Gebäudes gebracht. Das Team hat ein Buffet für uns vorbereitet, und die Kinder stimmen Willkommenslieder ein. Das Gebäude ist noch mitten im Aufbau. Das untere Stockwerk ist zwar bereits fertiggestellt inkl. Bad, Küche und Räumlichkeiten für die Mädchen. Aber über eine Treppe, leider wieder einmal ohne Gelände, geht es nach oben, wo die Wände kahl sind und Fenster noch vollständig fehlen. Es gibt sogar einen umlaufenden Balkon, erschreckenderweise jedoch ebenfalls ohne Geländer. Die gelben Engel (wie sie Max treffend nennt) sind Kinder aus dem Nachbarort, welche speziell für unseren Besuch gekommen sind. Nach ein paar Dankes- und Willkommensworten essen wir alle vom liebevoll hergerichteten Buffet.

Begrüßung im Adnin Waisenhaus     Ankunft im Adnin Waisenhaus

Anschließend gibt es einen Rundgang durchs Haus, beginnend mit dem Gang über eine weitere, sehr schmale Treppe zum Dachboden. Auch hier ist der erste Gedanke des Wüstenkind-Teams die Sicherheit der Kinder, da wir Dinge sehen, die so in Deutschland nur schwer vorstellbar wären. Der Eindruck insgesamt von dem Haus ist, dass bereits sehr viele Dinge erreicht wurden, sich aber vieles noch im Aufbau befindet. Nach unserem Rundgang kommen wir wieder zusammen, um die neuen Wüstenkind-T-Shirts und Früchte zu verteilen. Es herrscht große Freude und Aufregung.

WK T-Shirts für Adnin      WK T-Shirts für Adnin

Dank der sehr guten Planung und Vorarbeit von Nasruddin sind auf allen T-Shirt-Verpackungen bereits die Namen der entsprechenden Kinder vermerkt, so dass jedes Kind die richtige Größe erhält – eine tolle Leistung, denn alle Shirts passen perfekt, alhamdulillah.

WK T-Shirts für Adnin

Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt sind bemerkenswert, allein bei der Verteilung der Früchte sieht man, wie jedes einzelne der Kinder – die kleinsten und die größten ebenso wie die schwächsten und die stärksten – eine Frucht gereicht bekommt. Danach finden wir uns unten zum Gemeinschaftsgebet zusammen, und anschließend spricht eines der Kinder noch ein Bittgebet. Hatem und ich sind gleichermaßen berührt, weil dieses bekannte Bittgebet besonders Segenswünsche für die Eltern beinhaltet. Zum Abschluss gibt es noch eine herzergreifende Verabschiedung.

Abschied vom Adnin Waisenhaus

Als nächstes machen wir einen kurzen Halt bei einem Waisenhaus, welches Nasruddin als mögliches neues Waisenhaus für Wüstenkind identifiziert hat. So bekomme ich zum ersten Mal ein Waisenhaus zu sehen, welches noch nicht von Wüstenkind unterstützt wird. Obwohl es ein mehr oder minder spontaner Besuch ist, weil wir uns nicht telefonisch anmelden konnten, werden wir von den Verantwortlichen herzlich begrüßt. Wir werden durch die Räumlichkeiten geführt und erfahren, dass insgesamt neun Kinder hier leben. Es handelt sich bei dem Gebäude um ein einfaches Konstrukt aus dünnen Wänden, ein paar Balken und Raumtrennern aus Sperrholz und einem Wellblechdach darüber. Der Fußboden ist kahl, teils Lehm, teils Beton, und es gibt weder Schränke noch Betten. Nicht einmal Matratzen gibt es, und auf unsere Frage, wo die Kinder schlafen, wird schlichtweg auf den kahlen Boden gezeigt. An der Wand befestigt sind ein paar alte Rücksäcke, welche wohl als Schrank und Privatsphäre der Kinder dienen.

Baraka Waisenhaus Besichtigung      Baraka Waisenhaus Besichtigung

Unser Projektmanager erhält von uns die klare Anweisung, mit der Waisenhausleitung im Kontakt zu bleiben und sobald sich die Möglichkeit einer guten Zusammenarbeit mit der Administration abzeichnet, hier aktiv zu werden.

Zurück im Ridha Waisenhaus

Wir sind den zweiten Abend in Ridha, und man merkt, wie die Kinder schon etwas lockerer werden. Heute Abend findet auch das ersehnte Tischtennis-Match statt, und ich muss gegen den besten Spieler antreten. Tatsächlich muss ich den Jungen gar nicht gewinnen lassen, vielmehr meistert er das Spiel souverän. Einer der Gründe ist sicher, dass es das einzige Sportgerät ist, das sie besitzen, und dadurch mit der Zeit so gut darin geworden sind. Es folgt noch ein Match von Max gegen den nächstbesseren Spieler, das ebenfalls mit einem souveränen Sieg für Ridha endet. Nach einem weiteren Punkt für Ridha, diesmal im Match eines Mädchens gegen Sarbia, unsere Sozialarbeiterin, endet das Turnier mit der Aussicht auf das versprochene neue Netz, einen Fußball und einen Volleyball. Alle sind fröhlich und haben riesigen Spaß. Man kann davon ausgehen, dass die Kinder mindestens noch in den nächsten Wochen von diesem Ereignis erzählen werden.

Ridha PingPong-Match Tamim

 

Anschließend wird zum Abendgebet gerufen. Danach sind die meisten Kinder nochmals im Unterricht, und wir haben Zeit, mit den Kleinsten herumzutoben. Max, Hatem und ich versuchen uns zu erinnern, was man an Gestik, Mimik und kleinen Spielchen aus der Kindheit noch auf Lager hat, und verbringen eine wunderbare Stunde mit den Kindern – auch ohne Worte.

Zum Abschluss des Tages essen wir wieder mit den Kindern zu Abend. Heute gibt es Fisch zum Reis, und nachdem wir fragen, erfahren wir, dass nahrhafter Fisch zum Essen ca. 20 Cent extra pro Kind kostet.

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