Reisebericht Tamim, Sulawesi, April 2013 — Teil 3

15.04.  Montag – Kaluppini

Heute sind wir zu Gast in Kaluppini. Die Anreise auf dem Moped ist abenteuerlich, der Weg ist nur teilweise gepflastert, mit tiefen Schlaglöchern und Rillen übersäht, und es geht im Wechsel mal steil hoch und mal steil runter. Definitiv keine Strecke, die bei Regen zu bewerkstelligen wäre.  Max und Marie mussten im vergangenen Jahr deshalb auf halber Strecke wegen zu starken Regens tatsächlich umdrehen. Diesmal scheint aber die Sonne, und unterwegs gibt es ein paar wunderschöne Aussichtspunkte.

von Enrekang nach Kaluppini


Kaluppini Goat Project
Eines unserer ersten Ziele des Tages sind die Ziegen, die wir als Präventionsprojekt für die zwanzig ärmsten Familien im Dorf gekauft haben. Ein Teil des Projekts ist, dass jeweils eine Familie ein Ziegenpaar erhält, der erste Wurf dann an eine weitere bedürftige Familie geht und so weiter. Über diese Stärkung der Familien vor Ort soll speziell die Armut gelindert und damit verhindert werden, dass Kinder zu Wirtschaftswaisen werden.

Am Haus von Manu, unserer Projektbetreuerin in Kaluppini, werden wir wie inzwischen fast gewohnt sehr warm und freundlich empfangen. Sogleich wird Essen aufgetischt, und es gibt auch erfrischenden Fruchtsaft, was sehr gut tut, denn heute ist es besonders warm, und die Strecke war, wie gesagt, nicht ohne. Manu hat ihr Elternhaus  in eine Art Heimstätte/Sammelort für die Kinder und Jugendlichen im Dorf umfunktioniert. Ihre Fürsorglichkeit fällt besonders bei der Versorgung der später eintreffenden Kinder auf. Jedes bekommt seinen Teller mit Fruchtsaft und Wasser, bevor es überhaupt seinen Platz einnimmt – alles ist super organisiert. Das hohe Maß an fröhlicher Disziplin fällt dann auch gleich wieder bei der T-Shirt-Verteilung auf.

 

Alle T-Shirts sind, wie schon in Adnin, mit Namen und Größe zugeteilt. Der gesamte Raum ist voll mit Kindern, dennoch ist es wohl nur die Hälfte aller Kinder, weil die älteren noch in der Schule sind. Auch bei Manu sehen wir dieselben positiven Eigenschaften wunderbarer Betreuung der Kinder, welche wir bereits bei unseren anderen Mitarbeitern zu schätzen gelernt haben.

Kaluppini Children

 

16.04.  Dienstag – Social Service, Sarbia Hausbesuch, Ridha

Heute haben wir einen Termin beim Amt für Soziales in Enrekang bzw. eher eine Audienz beim verantwortlichen Beamten und seiner Kernmannschaft. Einer der wichtigsten Aspekte bei solchen Besuchen ist es, Präsenz und Engagement zu  zeigen, den guten Kontakt zu pflegen, Kooperationsmöglichkeiten auszumachen und schlichtweg in Erinnerung zu bleiben. Tatsächlich kann man sich hier an den Besuch im vergangenen Jahr noch gut erinnern, was durchaus positiv aufzufassen ist. Es werden Möglichkeiten in Aussicht gestellt, die Kinder an den amtsseitig angebotenen Trainings und Kursen teilnehmen zu lassen. Nach guten Gesprächen und ein paar Gemeinschaftsfotos verabschieden wir uns und verabreden, weiter im Kontakt zu bleiben.

Wir fahren anschließend zu Sarbia, die als von Wüstenkind angestellte Sozialarbeiterin inzwischen täglich in einem der beiden Waisenhäusern der Region unterstützend tätig ist. Nach dem gemeinsamen Essen mit ihrem Ehemann gibt es einen fröhlichen und zielführenden Austausch in offener Atmosphäre. Durch die mittlerweile gute Beziehung können Verbesserungsvorschläge – für indonesische Verhältnisse – sehr offen angesprochen werden, so dass unser Gespräch insgesamt sehr produktiv verläuft. Wir erfahren zu unserer Freude, dass sich die beiden Sozialarbeiterinnen in Enrekang und Makassar bereits stetig austauschen, um zu besprechen, was gut mit den Kindern funktioniert und was verbessert werden kann. Des Weiteren besprechend wir gemeinsam mit Sarbia und Nasruddin Ideen für den Ausbau bereits gestarteter und neuer potenzieller Projekte. Wir bedanken uns sehr herzlich bei Sarbia und ihrem Mann im Wissen, dass wir mit ihr schon wieder um 14h in Ridha verabredet sind. Sie wird uns heute das Koro-Training bzw. die Koro-Verarbeitung zeigen. Hierbei handelt sich um ein Projekt von Wüstenkind, mittels dessen verschiedene Soja-Erzeugnisse produziert und zum Verkauf im eigenen Shop angeboten werden. Angekommen in Ridha beobachten wir, wie ein fleißiges Team unter der kompetenten Anleitung von Sarbia mit sehr einfachen Mitteln und den von Wüstenkind finanzierten Maschinen schöne gesunde Produkte fertigt.

Ridha Koro Production      Ridha Koro Production

Als Ergebnis erhalten wir bereits am gleichen Tag kleine, aber professionell verpackte Soja-Erzeugnisse zum Probieren. Es ist ein wundervolles und emotionales Geschenk für uns, weil die Waisenkinder es mit ihren eigenen Händen, unter Mühe, aber auch mit Spaß hergestellt haben. Wir freuen uns, dass unser Plan funktioniert und dieses Projekt die Kinder mehreren Zielen gleichzeitig näherbringt –Training und Vorbereitung für die Zukunft, gesunde Ernährung und einen ersten Geschäftssinn.

Der Abend bricht ein, und es wird Zeit, sich vom wundervollen Ridha zu verabschieden. Herr Mansur, der Leiter des Waisenhauses, beginnt mit einer kleinen und herzlichen Rede. Im Anschluss gibt es ein paar Worte von Nasruddin im Namen von Wüstenkind. Überraschenderweise meldet sich auch Frau Mansur, die sich sonst immer stark im Hintergrund gehalten hat, und richtet ein paar Worte an uns. Sie entschuldigt sich höflich, weil sie uns als Gastgeberin vielleicht nicht immer gerecht werden konnte. Sie sagt, dass sie uns sehr gerne viel mehr bieten würde, weil Wüstenkind doch einen solchen Unterschied im Leben aller Anwesenden gemacht habe. Diese von Herzen kommende Wertschätzung unseres gemeinsamen Projektes rührt uns sehr, und wir bedanken uns nochmals, auch im Namen aller Spender und Freunde von Wüstenkind, für die Gastfreundschaft und ihre tolle Arbeit im Waisenhaus. Die Kinder überreichen anschließend ein paar selbst gemachte und gebastelte Geschenke. Zum Abschluss gibt es ein paar Wort von Hatem, welche er auf Indonesisch vorliest. Es sind seine Worte, die Nasruddin für ihn zuvor übersetzt hatte. Die Kinder strahlen und sind fasziniert, und mit dem Abschied vor Augen fließen auch Tränen. Wir alle versprechen uns gegenseitig, Bittgebete füreinander zu machen, und hoffen auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr.

Hier geht’s zum vierten Teil des Reiseberichtes …

Ridha Gruppenbild

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