Reisebericht Tamim, Sulawesi, April 2013 — Teil 4

18.04. – Donnerstag  Timor Timur, Bustanul, Rezky

Timor Timur

Mit Timor Timur besuchen wir heute das erste Waisenhaus in Makassar. Wir werden mit Willkommensliedern begrüßt, die Freude ist groß, und die Kinder strahlen. Hier treffen wir auch gleich eines der jüngsten Mitglieder der Wüstenkind-Familie, die kleine Mujahida. Der soziale Umgang und Zusammenhalt unter den Kindern springt auch hier ins Auge und ist sehr schön zu beobachten. Wir beginnen mit der Verteilung der neuen T-Shirts. Obwohl es sehr warm ist, kann keines der Kinder abwarten, das neue T-Shirt drüber zu ziehen. Im Anschluss erhalten wir als Geschenk von den Kindern mehrere Dutzend selbst gemalte Bilder. Meist stammen die Stifte, mit denen die Bilder gemalt wurden, auch von Wüstenkind – die Kinder wollen mit den Bildern ihren Dank ausdrücken. Darüberhinaus erhalten wir handgemachte Anstecker aus Filz, sehr liebevoll gestaltet mit unterschiedlichsten Farben und Formen. Tatsächlich kannten wir diese Anstecker bereits aus dem Shop in Enrekang – d.h. Sarbia hatte initiiert, dass einige der Anstecker aus Timor Timur in den Waisenshop nach Enrekang gebracht und dort verkauft werden. Eine wunderschöne Idee, und es ist sehr schön für uns zu sehen, wie diese Eigeninitiativen und Kooperationen unter den Waisenhäusern weiter zunehmen.

Neue T-Shirts TT

Anschließend machen wir den Rundgang durchs Waisenhaus. Wir gehen zuerst zu dem Raum der Jungen, und ich lerne wieder einmal, dass die meiste Einrichtung wie Schränke und Betten aus Wüstenkind-Spenden finanziert wurden. Auch die sehr wichtigen Ventilatoren stammen in den meisten Fällen von Wüstenkind. Anschließend gehen wir zu den Mädchen, welche in einem eigenem Gebäude untergebracht sind, das über zwei Etagen verfügt. Ich muss zugeben, dass der Raum im Erdgeschoss leider der schlimmste Raum ist, den ich in den Waisenhäusern bisher gesehen habe. Schlichtweg, weil das Großraumschlafzimmer für ein dutzend Mädchen keine Fenster und so gut wie keine Lüftung hat. Man fühlt sich eher wie in einem heißen, stickigen Kellerraum mit unangenehm hoher Luftfeuchtigkeit. Es erinnert mich an den Altbaukeller meiner damaligen Wohnung in Hamburg, der von Zeit zu Zeit unter Wasser stand, nur eben mit tropischen Temperaturen. Wir haben damals stets vermieden, irgendwelche Dinge im Keller zu verstauen, die diesen Geruch annehmen könnten. Kaum zu glauben, dass dies hier der Wohn- und Schlafraum dieser lächelnden Wesen ist. Für das angereiste Wüstenkind-Team steht fest, dass ein Um- oder Neubau dieses Schlaftraktes eines der nächsten Projekte mit hoher Priorität sein wird – inschaAllah.  Die Dringlichkeit zu agieren wird später untermauert. Ein Spender-Ärztepaar aus Deutschland besucht das Haus einige Tage nach uns im Rahmen ihrer Asienrundreise. Unmittelbar nach ihrem Besuch äußern sie gesundheitliche Bedenken zu der Situation in diesen Räumlichkeiten und bestätigen uns in der gefassten Zielsetzung.

Schlafraum Mädchen TT

 

Bustanul

Unser nächster Stopp ist das Waisenhaus Bustanul, ebenfalls in Makassar, aber eine gute halbe Autostunde entfernt und näher zum Zentrum gelegen. Gleich zwischen Straße und Hof des Waisenhauses befindet sich auch hier ein kleiner Shop. Dies erachten wir als positiv, weil Selbstversorgung und Eigenverantwortlichkeit gefördert werden. Wir werden im Gemeinschaftsraum gemäß der lokalen Tradition erneut mit Willkommensliedern in Empfang genommen. Auffallend ist, dass hier ein besonders großes Team an Lehrern und Betreuern arbeitet. Dies merkt man auch gleich am Verhalten der Kinder, welche noch einmal disziplinierter und ruhiger wirken. Es sind auffallend viele Kleinkinder dabei.

Bustanul

Wir beginnen mit der Besichtigung der Räumlichkeiten. Als erstes kommt gleich der Hinweis, dass das Treppengelände durch Wüstenkind-Spenden erstanden wurde. Das gleiche gilt für die Bäder, die wirklich sehr gut geplant und umgesetzt wurden. Hatem und Max berichten mir, dass das ursprüngliche Bad nicht wirklich zumutbar war – und vor allem ein einziges Bad für so viele Kinder nicht ausreichte. Auf jeden Fall kann sich das Ergebnis sehr gut sehen lassen, und auch die Freude, mit denen die Kinder ihre neuen Bäder zeigen, ist sehr schön zu beobachten. Als wir fragen, ob sie noch einen Ventilator benötigen, wird diess dankend verneint. Die Genügsamkeit der Menschen ist immer wieder faszinierend. Wir verabschieden uns in dem Wissen, dass wir noch einmal zurückkommen.

Bustanul neues Bad      Bustanul Schafraum

 

Rezky

Als wir in Rezky ankommen, deutet sich an der Umgebung schon an, dass diese Gegend noch einmal ärmlicher ist als bei den anderen beiden Waisenhäusern. Um zum Haus zu gelangen, muss man über ein offenes Kanalsystem genau vor der Haustür steigen. Das gegenüberliegende Grundstück steht frei und wird zum Teil als Müllkippe missbraucht. Die Kinder versammeln sich im Hauptraum. Es fällt auf, dass die Kinder insgesamt etwas ernster wirken. Es ist sehr heiß, und ich bekomme dass erste Mal zu spüren, welchen Unterschied die Isolierung eines Daches ausmachen kann. Zumindest hängt ein Ventilator an der Wand, ebenfalls von Wüstenkind, welcher die Situation einigermaßen erträglich macht.

Ankunft in Rezky

Wir fangen nach ein paar Begrüßungsworten an, die T-Shirts zu verteilen. Die Freude ist erneut groß. Anschließend machen wir einen kleinen Rundgang durchs Haus. Eine kleine Küchenfläche und der Jungenraum sind unten. Zu den Räumen der Mädchen geht es von der Küche aus über eine kleine Treppe ohne Geländer in den ersten Stock. Auch oben ist es sehr warm, allerdings gibt es in den einzelnen Mädchenräumen Ventilatoren, welche in den Zimmern ein zumindest erträgliches Klima schaffen. Als wir später fragen, was benötigt wird, meldet sich eines der Mädchen und fragt nach Tellern für die Küche. Nasruddin und Hatem machen sich einen entsprechenden Vermerk. Zudem wird der Wunsch nach Englischkursen und einem Badmintonset geäußert. Auch die Isolierung für das Dach wird mit aufgenommen. Da der Verantwortliche heute nicht da ist, hoffen wir, beim nächsten Besuch mit ihm weitere mögliche Schritte zur Verbesserung besprechen zu können.

Hier geht’s zum fünften Teil des Reiseberichtes …

Rezky neue T-Shirts

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