Reisebericht Tamim, Sulawesi, April 2013 — Teil 5

19.04. Freitag – Social Service, Training Center und To’Balu

Heute haben wir wieder zwei offizielle Termine mit Regierungsvertretern: einmal mit dem Leiter des Sozialamts der Stadt Makassar, einmal mit dem Minister für Soziales der Provinz Süd-Sulawesi. Zunächst treffen wir uns mit dem Verantwortlichen für die Stadt. Auch hier werden wir sehr herzlich Willkommen geheißen. Nasruddin hat eine kurze Präsentation auf seinem Laptop vorbereitet, in der er kurz unsere Organisation und die bisher geleisteten Dinge vorstellt. Wir erfahren, dass es allein in der Stadt Makassar knapp 90 Waisenhäuser mit insgesamt etwa 4000 Waisen gibt… also noch einiges zu tun.

Am Nachmittag, nach dem Freitagsgebet in der zentralen Moschee in Makassar, treffen wir uns mit dem obersten Zuständigen für Sozialfragen der Provinz Süd-Sulawesi. Auch hier läuft alles wie geplant. Nasruddin bekommt erneut Gelegenheit, unsere Arbeit zu präsentieren, und wir versuchen, Unterstützung für Trainings der Waisenkinder zu bekommen und einen guten Kontakt zu den Behörden aufzubauen und zu pflegen. Es werden verschiedene Dinge angedacht, die in Folgetreffen mit Nasruddin konkretisiert werden sollen.

Nach diesem Termin besuchen wir noch ein Trainingscenter in der Nähe. Das Zentrum ist Teil einer Stiftung und bietet Kindern und Jugendlichen insgesamt 16 verschiedene Trainingskurse an (von Nähen über Fremdsprachen bis zu Computerkursen) inklusive Unterkunft für die Dauer der Kurse. Diese dauern in der Regel einige Wochen und sind kostenfrei. Die Verantwortlichen sind sehr freundlich und führen uns durch ihre Räumlichkeiten. Alles in allem haben wir einen guten Eindruck und verbleiben so, dass Nasruddin im Nachgang Details ausmacht, um einer ersten Gruppe Kindern aus unseren Waisenhäusern ein solches Training zu ermöglichen.

Am Ende des Tages haben wir noch kurz die Möglichkeit, ein neues potenzielles Waisenhaus zu besuchen – To’Balu. Ein weiteres neues Waisenhaus für mich, wo ich mir ein eigenes Vorher-Nachher-Bild machen könnte. Sprich: Zustand des Waisenhauses vor der Wüstenkind-Tätigkeit und danach.

Als wir in dem kargen Haus ankommen, versammeln sich gleich alle Kinder um uns. Wir versuchen, uns ein wenig mit den Kindern auszutauschen. Allerdings ist es durch den starken Regen und das nicht isolierte Dach unglaublich laut im Raum. Wir starten gleich unseren kurzen Rundgang und sehen sofort, dass es an verschiedenen Stellen von der Decke tropft. Hier habe ich auch einen meiner nachhaltigsten Augenblicke: Im Zimmer der Mädchen macht Max kurz hintereinander zwei Fotos, die wir uns unmittelbar danach ansehen. Auf dem einen fotografiert er die Decke, durch die es auf die Matratze regnet. Auf dem nächsten sieht man drei der insgesamt sechs Mädchen, die in diesem Zimmer leben, mit einem breiten Lächeln. Keine Bitten, keine Beschwerden und schon gar kein Jammern.

ToBalu 1        ToBalu 2

Es bestätigt sich das, was ich durchweg bei all meinen bisherigen Besuchen in den Häusern beobachten durfte: Man muss stets nachhaken und fragen, was dringend benötigt wird, von sich aus wird nicht geklagt. Ganz anders als man denkt oder sich vorstellt. So erfahren wir beispielsweise durch unser Nachfragen, dass der zentrale Flur, von dem alle Zimmer aus abgehen, von Zeit zu Zeit bei starkem Regen auch mal ganz unter Wasser steht.

ToBalu 3

Das Wüstenkind-Team braucht sich nicht großartig auszutauschen, und es ist uns allen schnell klar, dass hier die klassischen Notwendigkeiten umgesetzt werden müssen – ein Schutz bietendes Dach, Betten, neue Matratzen und Schränke. Nasruddin wird in Kontakt bleiben, beobachten, wie sich die Vorlaufzeit und die erste Kooperation entwickeln, und sobald alle Kriterien erfüllt werden und ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut ist, werden – so Gott will – die Aktivitäten starten. Mit diesen bleibenden Eindrücken meines ersten potenziellen neuen Waisenhauses geht auch dieser Abend zu Ende.

Hier geht’s zum sechsten und letzten Teil des Reiseberichtes …

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