Reisebericht Tamim, Sulawesi, April 2013 — Teil 6

20.04. Samstag – Ummi Kalsum, Bustanul, Rezky und Timor Timur

Heute ist mein letzter Tag auf Sulawesi, und bereits in dieser Nacht werde ich meine Rückreise antreten. Der Plan für heute ist, ein weiteres neues potenzielles Waisenhaus zu besuchen und uns anschließend von den Waisenkindern in den drei Bestandswaisenhäusern in Makassar zu verabschieden.

Ummi Kalsum

Unser Projektmanager Nasruddin konnte dieses Waisenhaus bereits dreimal besuchen. Es steht ein alter ausgeschlachteter Minibus direkt vor der Tür, welcher seine letzte Verwendung als Kinderspielplatz gefunden hat. Wieder einmal versammeln sich in wenigen Augenblicken alle anwesenden Kinder im Hauptzimmer. An der Wand hängt ein große Tafel, welche Aufschluss darüber gibt, dass 27 Kinder unterschiedlichen Alters in diesem Waisenhaus beherbergt werden. Diese Tafeln sind mir schon in anderen Waisenhäusern aufgefallen, sie haben einen offiziellen Charakter und implizieren eine gewisse Sicherheit. In anderen Worten, die verantwortlichen Ämter scheinen eine Übersicht über die einzelnen Waisenhäusern und die Kinder zu haben. Wir lernen noch die Familie des Leiters kennen, welche einen offenen und freundlichen Eindruck macht. Zum Abschluss verteilt Hatem eine Tafel Schokolade in Stückchen an die anwesenden Kinder. Kein Gerangel, kein Drängeln oder Streit – nur Freude, Ruhe und Gelassenheit, und wieder einmal gibt sich jedes Kind mit einem einzigen kleinen Stück Schokolade zufrieden. Wunderschön und lehrreich.

Ummi Kalsum

 

Rezky

Auf den Weg nach Rezky beschließen Hatem, Max und ich, noch aus eigener Tasche einige Süßigkeiten für alle Kinder einzukaufen. Wir erfahren in Rezky als erstes die große Freude, die ein paar Süßigkeiten machen können. Die Riegel werden von den Kindern selbst diszipliniert und gerecht verteilt. Auch wenn die ganze Schachtel herumgereicht wird, nimmt sich jedes Kind nur einen Riegel heraus. Heute ist der Leiter des Waisenhauses Rezky anwesend, und wir haben die Gelegenheit, über die nächsten größeren Schritte zu sprechen, wie ein eigenes Bad im ersten Stock für die Mädchen und eine mögliche Isolierung des Daches. Wir bitten ihn, alles weitere mit Nasruddin detailliert zu besprechen und genau zu planen, so dass man die Vorschläge gemeinsam beurteilen kann.

Schokolade für Rezky

Bustanul

In Bustanul angekommen treffen wir uns wieder im Gemeinschafts-/Gebetsraum. Es gibt ein Willkommenslied, und im Anschluss halten wir eine offene Frage- und Antwortrunde mit den Kindern. Zunächst fragen wir sie nach ihren Berufswünschen. Sie antworten mit Arzt, Computerspezialist und Projektmanager, ähnlich wie es Nasruddin ist. Wir bekommen zudem eine sehr schöne Koranrezitation zu hören.

Als nächstes erhalten wir ein paar Dutzend handgemalter Bilder von den Kindern und selbstgebastelte Schlüsselanhänger. Die Süßigkeiten werden verteilt, und jeder von uns adressiert noch ein paar Abschiedsworte. Die von Hatem vorgelesene kurze Abschiedsrede auf Indonesisch – auch im Namen aller Spender – kommt wieder besonders gut an.

Bustanul Quran         Abschied aus Bustanul

 

Timor Timur

So, jetzt ist es leider schon soweit, letzter Abend, letzter Besuch, letztes Waisenhaus. Wir werden wieder mit wunderschönem Gesang in Empfang genommen. Im Anschluss verteilen wir auch hier die Süßigkeiten und haben die Möglichkeit für eine weitere Frage- und Antwortrunde. Es ist schön zu beobachten, wie die Kinder mit einem gewissen Selbstbewusstsein ihre Fragen stellen. Im Anschluss gibt es auch hier eine wunderschöne Koranrezitation vom bekannten Thronvers, wo zum Ende hin alle Kinder mit einsteigen und gemeinsam synchron rezitieren. Ich bin sicher nicht der einzige, der hierbei eine wohlige Gänsehaut bekommen hat. Es ist unbeschreiblich, in die Runde zu gucken mit den vielen strahlenden Gesichtern, während wir unsere Abschiedsworte an die Kinder richten mit dem aufrichtigen Wunsch, sich im nächsten Jahr wiederzusehen.

Abschied aus Timor Timur

Für mich steht fest, dass die Reise ein voller Erfolg war und all meine Erwartungen übererfüllt wurden. Natürlich verfolge ich als Gründungsmitglied die Entwicklung von Wüstenkind seit ihren Anfängen; allerdings wird mir sicher jeder Recht geben, wenn man sagt, Dinge mit eigenen Augen zu sehen, ist etwas anderes als zu lesen oder berichtet zu bekommen. Ich konnte mir nun nach all den Jahren endlich selber ein Bild machen und konnte durch die gute Planung und Durchführung in den wenigen Tagen alle Waisenhäuser mit allen Kindern besuchen. Es ist schlichtweg unglaublich und wunderbar, was in sehr kurzer Zeit entstanden ist und immer noch entsteht. Sicher gibt es weltweit viel zu tun, viel zu verbessern und auch entsprechend viele Möglichkeiten, aktiv zu werden. Was ich mir auf meiner Reise immer wieder vor Augen geführt habe ist, dass durch die Wüstenkind-Spenden im Leben dieser Waisen ein wesentlicher Unterschied gemacht wurde, den es sonst mit hoher Sicherheit nicht gegeben hätte, Alhamdulillah. Jeder Spender und jede einzelne Spende machen nicht nur einen materiellen Unterschied im Leben der Kinder, sondern mindestens genauso sehr auf emotionaler Ebene. Schlichtweg, weil es jedem Kind das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein, weil sich ein Mensch in so weiter Ferne für ihn interessiert.

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