Reisebericht Hatem, Sulawesi, Jan/ Feb 2010

Besuch im 1. Waisenhaus (Ridha Waisenhaus in Enrekang Stadt)

Als wir kamen, herrschte große Aufregung, Freude und versteckte Neugier. Wir haben alles und alle besichtigt. Die Resultate der geleisteten Arbeit waren sehr deutlich sichtbar. Weitere nötige Arbeiten aber auch.

Die Kinder sind Goldstücke und wirken trotz teilweise pubertärem Alter sehr jung, wie meist bei Asiaten. Rührend offenherzig und zugleich stark verschüchtert, im positiven und üblichen Sinne. Wenn man beim Fotografieren nicht erfinderisch ist, sieht man nur Hände vor einem lachenden Mund beim Weglaufen oder ein Kopftuch von hinten. Auch die Jungen sind nett. Cool, aber wohlerzogen. Alle extrem gut im Verhalten und islamisch geprägt, wie üblich in der Region. Darin gibt es auch große Unterschiede von der Stadt- zur ländlichen Bevölkerung. Die Räume waren nicht vorbereitet und die Bilder nicht gestellt.

Alle kennen uns bereits. Diejenigen, die nicht da waren, wissen es spätestens am Abend. Ebenso steht es um die Infos im Waisenhaus. Es reicht, die Info einem Kind zu geben und wenige Minuten zu warten. Die Kinder sind sehr sozial und offen im Umgang untereinander, unter den Geschlechtern und in Sachen Kleidung. Es gibt sehr viel Interkulturelles zu beachten, und ich habe gute Berater. Wir haben versucht, mit allen etwas kurzes Persönliches aufzubauen und uns die Zimmer zeigen zu lassen. Vieles ist mittlerweile okay, aber immer noch unter dem indonesischen Standard.

Wir haben auch Serbia, die „Haushaltstrainerin“, getroffen und uns ausgetauscht. Wir haben angefangen, Profile anzulegen mit Bildern. Wir kamen nur bis Kind 40, setzen es aber, so Gott will, fort. Wir waren lange beim Waisenhaus und kamen zum Abendessen auch wieder dorthin. Danach gab es Reden, Präsentationen und einen indonesischen Film per Beamer auf einer Betttuchleinwand. Dazu Kekse. Es ist bereits elf. Die Kinder stehen teilweise um 4.30 Uhr auf und hängen nun selig und müde einander in den Armen. Ich denke, in wenigen Minuten geht für sie ein besonderer Tag zu Ende.

Der Unterhalt ist finanzierbar, aber es gibt überall marode Bausubstanz. Die Kinder sind überwiegend nicht Halb- oder Vollwaisen, sondern aufgrund der Armut der Eltern hier. Sie sehen sie in der Regel nur zweimal zu Festtagen, würden bei den Eltern aber noch geringer versorgt werden und auch nicht zur Schule gehen. Eines der Kinder hat die besten Noten der Schule. Es ist also alles möglich, was ich ihnen in meiner kleinen Rede auch bestätige.

Es ist oft schwer zu urteilen, was diese Kinder fühlen oder denken. Hier stellen auch Erwachsene keine Fragen, sind zurückhaltend und geben die erwartete Antwort. Wenn man diese Antwort aber erwartet, kommt keine. Ein gemeinsames Erlebnis war es aber sicher allemal, und Beziehung wächst eben.

Der letzte Besuch. Der Kontakt zu den Kindern wird durch Wiederholung immer schöner. Weitere Profile wurden aufgenommen. Niemand fragt nach etwas, bittet oder ist gierig. Auch nicht mit den Augen oder in versteckten Gesten. Nicht einmal habe ich Neid untereinander gespürt, auch nicht bei Aufmerksamkeiten oder Gesten von mir. Alles wird als schön angenommen, egal für wen. Nach mehrfachem Fragen nach einem fehlenden Kind erfuhr ich durch „Zufall“, dass die 16-jährige Ida, eine Vollwaise, gerade wegen eines Tumors operiert wurde. Wir verkürzten den Aufenthalt im Waisenhaus, um mit zwei Mädchen die Kranke zu besuchen. Das Krankenhaus war okay für dortige Verhältnisse, aber es gab z.B. nicht einmal Ventilatoren und gemischte volle Zimmer. Der Besuch bei dem Mädchen war ein berührender Moment. Für sie war der Besuch hoffentlich eine Ermutigung.

Besuch im 2. Waisenhaus (Adnin Waisenhaus in Baraka)

Das Waisenhaus in Baraka ist etwa eine Stunde von Enrekang Stadt entfernt. Es war eine erste Begegnung mit den Kindern, der hilfreichen Nachbarin, die gerade Unterricht gab, und der Leiterin Itsche. Alle leben dort sehr einfach und eng. Die Projektspuren waren bereits im sehr positiven Sinne sichtbar. Sehr gute Arbeit von Nasruddin, dem Projektleiter. Sehr schön und emotional, die Kinder unglaublich. Wir wurden mit Gesang und Bittgebeten empfangen. Sicher besprochen, aber nicht gezwungen oder unnatürlich. Es folgte eine Ansprache und Erklärungen sowie eine genaue Besichtigung. Sehr viele Eindrücke und Infos, die erst im Gespräch zum weiteren Projektverlauf gewichtet werden mussten. Wir besuchen sie in den nächsten Tagen wieder…

Es ging erneut für einige Stunden nach Baraka zu den Kleinen. Wieder gab es Gesang, Bittgebete, und alle Korankenntnisse wurden stolz vorgetragen. Wir haben zusammen gegessen und gelacht. Und viele Dinge besprochen, wie einen möglichen Neubau/Umzug des Waisenhauses. Die Bilder und Videos der Kinder, die ich direkt auf dem Laptop wiedergab, sorgten für Freude. Ein kleiner Junge sah den Laptop und meinte: „ein kleiner Fernseher“. Ein schlauer Junge. Und ein schwerer Abschied.

Besuch im 3. Waisenhaus (Hidayatullah Waisenhaus in Alla)

Dann ging es zum womöglich zukünftigen 3. Waisenhaus in Alla, wo ca. 30 Kinder zwischen fünf und 18 Jahren leben. Es wirkte sehr organisiert, die Kinder erhielten diese Bleibe aufgrund der Armut der Eltern. In dem Dorf leben ca. 3.000 Menschen. Im Waisenhaus leben die Kinder von der Dorfgemeinschaft (Essen und kleine Spenden) und in sehr einfachen Verhältnissen. Niemand hungert, aber es gibt teilweise nur Reis. Der Leiter Abdel-Latif zeigte uns alles. Das Waisenhaus existiert seit dem Jahr 2000. Sonst gibt es keine unterstützende Organisation. Mehr Mittel bräuchten sie für das Alltägliche: Kleidung, Essen, Matratzen, Medizin. Man war in keinster Weise fordernd oder „gierig“, eher das Gegenteil. Die Kinder selbst waren herzbewegend. Die Begegnung mit den Kindern war wunderbar. Mein Eindruck von allen Waisenhäusern Einiges braucht Zeit, aber was bereits geleistet wurde, kann man sehen, und es ist keine Frage, dass das bessere Essen, die Hygiene, die Kleidung, die Möbel, die Decken und Kissen etc. den Kindern direkt Gutes tun. Und nicht zuletzt auch die Aufmerksamkeit des Projektpersonals. Nach wie vor sind 500, 50 oder auch 5 Euro sehr viel Geld in Indonesien.

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