Hintergrund zu Indonesien und den Kindern

Was passiert mit einem Euro und kommt meine Spende wirklich an?

Wir versuchen an dieser Stelle, einen Einblick in Leben und Umfeld der Kinder zu geben. Dieser kann weder abschließend sein, noch ist es unsere Absicht, durch künstliche Dramatisierung den Leser zur Unterstützung zu bewegen. Wir versuchen, realitätsgetreu das wiederzugeben, was wir über die Jahre gelernt und vor Ort beobachtet haben. Dies umschließt auch die Beschreibung der teils sehr harten Lebensumstände der Kinder, aber letztendlich sollte immer die Freude an der Gemeinschaft mit den Kindern überwiegen.

Das Land und Umfeld der Kinder

Indonesien ist ein sehr abwechslungsreiches und großes Land mit ca. 250 Millionen Menschen. Davon sind etwa 80 Prozent Muslime, der Rest teilt sich in Christen und Angehörige kleinerer religiöser Minderheiten. Die Menschen sind sehr offen und begegnen Fremden meist mit liebenswerter Art. Als Land der “dritten Welt“ bzw. Schwellenland steht Indonesien vor den bekannten Problemen für Mensch und Umwelt: Laut WHO lebt fast die Hälfte der Indonesier unter der Armutsgrenze, d.h. sie können sich selbst die einfachste Reismahlzeit nicht leisten, sondern müssen bspw. auf Reisabfälle (sogar diese werden noch verkauft) oder Futtermais zurückgreifen. Die Gründe liegen zum Teil in häufig auftretenden Naturkatastrophen (Erdbeben, Überschwemmungen, Schlammlawinen) und steigenden Lebensmittelpreise (zum Teil um 150 Prozent pro Jahr). Nicht zuletzt aber bremsen Missmanagement und Korruption sowie, das ungenügende Bildungssystem die Entwicklung des Landes.

Zwar ist es ein Segen, dass große Flächen fruchtbar sind und somit zumindest viele Menschen etwas Essbares finden und eigentlich nicht hungern müssten. Dennoch liest man immer wieder Berichte von Hunger leidenden Kindern: Insbesondere diejenigen ohne Eltern oder familiären Rückhalt sind – wie so oft – das schwächste Glied der Gesellschaft und tragen die volle Last struktureller Probleme.

Wie oft in von Armut geprägten Ländern finden sich in Indonesien erschreckende Schicksale, die uns auch auf unseren Projektreisen begegneten: Manchmal werden ungewünschte Babies einfach verschenkt oder in jungem Alter, insbesondere im Falle junger Mädchen, für weniger als hundert Euro an vermeintliche Wohltäter abgegeben. Dieser Betrag muss dann centweise wieder erarbeitet werden, bspw. in Bars oder Fabriken. Was sich daraus ergeben kann, lässt sich unschwer erahnen, auch wenn es nicht das Standardschicksal einer armen oder gescheiterten Familie sein muss. Doch jedes einzelne zerstörte oder entwürdigte Leben ist unakzeptabel.

Dies vor Augen, sind die Waisenhäuser eine noch deutlichere „Oase in der Wüste“ als Anfangs angenommen und vor dem individuellen Hintergrund der Kinder unvergleichlich besser und eine lebenswerte Familienalternative. So wünschen wir uns noch mehr Platz für noch mehr Kinder – denn jedes Kind verdient ein lebenswertes Umfeld!

Aus dem Leben der Kinder

Die Familienkonstellationen unserer Wüstenkinder ähneln sich in den meisten Fällen stark. In der mildesten Variante können sich die Eltern oder, nach einem Todesfall, der verbleibende Elternteil den Unterhalt oder Schulbesuch der Kinder schlichtweg nicht leisten. Auch der Rückhalt in der Großfamilie ist oft nicht ausreichend, um Waisen oder Halbwaisen aufzunehmen. Oft waren die Kinder auch nur „zu viel oder übrig“, als ihre Familie zerbrach; eins unserer Mädchen wurde bspw. von einer alleingelassenen Frau im Waisenhaus zur Welt gebracht, die dann ein paar Tage später per Telefon mitteilte dass sie nicht mehr zu ihrem Kind zurückkehren wird. Andere wurden als Babies vor der Tür gefunden, und bei den Älteren wissen wir nicht, was sie noch alles durchgemacht haben, oder wie oft sie herumgeschubst wurden. Vielleicht ist es sogar möglich, sich ansatzweise in die Lage der Kinder hineinzuversetzen, wie es sein muss, fern der Familie und unter einfachsten Bedingungen mit ungewisser Zukunft aufzuwachsen. Die Härte dieser Gedanken lässt sich am besten ertragen, wenn man sieht, was wir bisher erreichen konnten, und wenn man daran denkt, was noch möglich ist – und nicht zuletzt, wenn man die Freude und sogar zeitweise Unbeschwertheit der Kinder selbst erleben darf. Denn meist erscheinen die Kinder nicht traumatisiert, sondern wirken ungemein sozial, rührend, frei von Neid und dankbar für jede aufmerksame Geste. Neben der steten Verbesserung der Lebenssituation in den Waisenhäusern haben wir im Mai 2012 ein Pilotprojekt gestartet, um erweiterten Berufsschulbesuch und Studium zu finanzieren und damit eine erste Brücke zu mehr Bildung und somit in ein hoffentlich schönes, erfolgreiches und selbstbestimmten Leben zu bauen.

Ein Tag im Leben eines Waisenkindes in einem der betreuten Waisenhäuser

Wie in Indonesien üblich, wird der Tag auch durch die fünf Gebete eingeteilt. So stehen die Kinder gegen 4.30 Uhr morgens auf, waschen sich und verrichten das Morgengebet. Noch vor der Schule helfen alle bei der Hausarbeit zusammen. Nach dem Frühstück geht es für die Schulkinder zur Schule, die bis mittags oder nachmittags dauert. Es wird zu Mittag gegessen, am Nachmittag wird gelernt, gespielt, gequatscht oder es werden andere Dinge wie das Waschen der eigenen Wäsche erledigt. Eine Gruppe der Kinder teilt sich immer eine Verantwortlichkeit wie z.B. die Zubereitung des Abendessens. Ein solch ganz gewöhnlicher Tag endet nach dem Nachtgebet, und die Kinder gehen gegen 21 Uhr zu Bett.

In das kulturelle und religiöse Leben der Kinder greifen wir nicht ein. Wir helfen aber, die Strukturen, Disziplin und Ordnung der Abläufe zu verbessern, bspw. mit unserer eigens dafür engagierten Sozialarbeiterin, und unterstützen damit das zuvor oftmals überforderte Management. Weitere Ergebnisse unserer Arbeit sind reichhaltigeres Essen, ein besserer Zustand der sanitären Anlagen, ein eigenes Bett für die meisten Kinder – für manche die erste eigene Matratze in ihrem Leben. Zudem organisieren wir immer wieder Kurse wie z.B. Englischunterricht und weiten diese Aktivitäten beständig aus. Ein kleines Freizeitangebot für die Kinder zu schaffen, hat nicht die erste Priorität, aber auch hier lässt sich mit wenig Geld so vieles erreichen. Denn es ist bedeutend für das psychische Wohl der Kinder, wie für den Bauch das Essen, mit einem Ball zu spielen, sich ein paar Stifte zum Malen zu schnappen oder den Badmintonschläger nehmen zu können.

Inzwischen übernehmen in einem Waisenhaus sogar einige Kinder testweise das Gewinnen von Nahrung aus einer Soja-Art, um den eigenen Speisplan anzureichern. Diese Jugendlichen können zudem ein Sojagetränk in einem kleinen, angegliederten Kiosk verkaufen und so die Haushaltskasse aufbessern. Dabei steht die Erfahrung im Vordergrund, Verantwortung zu übernehmen, und somit das meist schwach ausgeprägte Selbstbewusstsein zu verbessern – vielleicht sogar ein handwerklich verkäuferisches Training zu erreichen, das die Kinder später im Berufsleben umsetzen können, um den Kreislauf zum Positiven zu durchbrechen.

Kommt meine Spende an? Lohnt es sich auch, wenn man nur einen Euro spenden kann?

Alle Spenden kommen ohne jeglichen Abzug von Verwaltungsgebühren an. Keine Briefmarke, kein Flyer, weder unsere Website noch die Facebookpräsenz oder andere Verwaltungskosten werden aus Spendenmitteln finanziert; auch die Projektreisen nach Indonesien werden von den Reisenden aus eigener Tasche beglichen. Dies wird durch ein rein ehrenamtliches aber professionelles Team in Deutschland ermöglicht. So macht sich jeder in Deutschland gegebene Euro auf die Reise zu den Kindern und trifft zu 100 Cent dort ein. Und selbst wenig kann viel bewirken. Ein paar Beispiele:

  • für 10 ct kann man eine kleine Packung Kekse in deutscher Importqualität kaufen, die sonst für die Kinder zu teuer sind. Dreimal Schokokeks, ein verschmierter Mund und ein Lächeln
  • Für den Preis einer Breze in Deutschland kann man einem Kind nicht nur ein alltägliches, sondern ein ganz besonderes Mahl zubereiten – inkl. Getränk und Nachtisch
  • Für 2 € kann man ein Set Stifte für die Kinder kaufen, was Freude bereitet und die Kreativität fördert
  • Für ca. 10 € kann man ein Kind einkleiden
  • Für ca. 15 € im Monat, also etwa 50 ct am Tag kann man ein Kind in einem vorhandenen Waisenhaus mit dem Nötigsten an Kleidung, Essen, Schulmaterial und zusätzlichen Medikamenten versorgen, Alltagsutensilien einkaufen oder kleinere Reparaturen durchführen – sofern dieser Betrag für jedes Kind im Waisenhaus zur Verfügung steht.
  • Für 30 € kann man mit einem Ventilator einen überhitzten Schlafraum abkühlen
  • Für 50 € kann man einem ganzen Waisenhaus Setzlinge und Töpfe kaufen, woraus sie viel lernen, ggf. auch ernten können und Spaß an der Selbstversorgung entwickeln
  • Für knapp 100 € bekommt ein Kind vielleicht seine erste Matratze mit allem Bettzeug. Für weitere 100 € kann man ein gezimmertes Holzstockbett aus massivem Material in ein WH bringen, wo es viele Kinderjahre überleben wird und immer wieder repariert werden kann
  • Ca. 120 € begleichen Berufsschulgeld oder Universitätsgebühren pro Kind pro Jahr
  • Für ca. 800 € kann man einen Brunnen bauen lassen, der die Kinder lange mit ausreichend Wasser versorgt – auch wenn die öffentliche Versorgung ausfällt  – und die monatlichen laufenden Kosten reduziert
  • Für mehr Geld kann man ein gesamtes Waisenhaus strukturell renovieren, vernünftige sanitäre Einrichtungen bauen oder Platz für weitere Kinder schaffen
  • Für noch mehr Geld könnten wir im Rahmen unserer Managementkapazitäten sogar beginnen, Land zu kaufen, und eigene Waisenhäuser mit entsprechendem Personal aufbauen und einrichten

Aber zurück zu den 10 Cent für Schokokekse – oder eben doch 50 Cent pro Tag für die gesamte Grundversorgung, die das Leben der Kinder so positiv verändern wird. Das ist konkret und wird bereits gelebt – doch es warten weitere Kinder.

 

 

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