Unsere kleine Zahra

Salamu alaikum und hallo liebe Waisenfreunde,

der Winter bringt uns in Deutschland Zeit für Besinnlichkeit, gemütliche Nachmittage bei Kerzenschein, heißem Tee und Keksen – und viele gemeinsame Stunden mit unseren Freunden und Verwandten, mit unseren Eltern oder unseren Kindern. Wir genießen die Wärme, die Leckereien der Vorweihnachtszeit, die Zuneigung im Kreis der Familie und können darüber leicht vergessen, dass all dies ein großes Geschenk ist. Es wird uns besonders bewusst in der Arbeit mit Waisenkindern: Sie alle haben ihre ganz eigenen Geschichten und Erlebnisse, die sie in unsere Waisenhäuser führten; Schicksale, die uns immer wieder tief berühren und uns ermahnen, unser Glück nicht als selbstverständlich zu nehmen. Heute wollen wir euch von einem dieser Wüstenkinder erzählen – und sicher werdet ihr euch mit uns freuen, dass wir der kleinen Zahra gemeinsam ein neues Zuhause und liebevolle Zuwendung geben können.

Zahra ist erst acht Monate alt und lebt fast schon genauso lang in unserem indonesischen Waisenhaus Rezky Ilahi. Drei Tage war sie erst alt, als sie zum Waisenkind wurde – aber nicht weil ihre Eltern starben, sondern weil sie nicht mehr für sie sorgen konnten. Man nennt solche Fälle „Sozialwaisen“, ein eher technischer Begriff, der nichts über das dahinter stehende Einzelschicksal aussagt, sondern lediglich, dass Vater und Mutter sich nicht um das Kind kümmern können. Für uns ist es schier unvorstellbar, das eigene Kind abzugeben. Doch was wäre, wenn wir es nicht mehr ernähren könnten? Wenn wir nicht wüssten, wie wir dem Kind eine Zukunft geben können, oder Krankheiten hilflos gegenüberstünden? Wir wissen die Antwort nicht, ohne jemals in einer solch schrecklichen Situation gewesen zu sein.

Zahras Mutter ist noch sehr jung und war plötzlich mit der Versorgung des Babys ganz auf sich allein gestellt, als der Vater auf Nimmerwiedersehen verschwand. Völlig verzweifelt und mit der Situation überfordert, wusste sie weder ein noch aus – staatliche Hilfe, Förderung oder gar Kindergeld wie bei uns gibt es in Indonesien nicht. Dann erfuhr Zahras Mutter von einem Ort, unserem Waisenhaus Rezky Ilahi, wo Kinder sich nicht sorgen müssen, sondern gemeinsam aufwachsen, miteinander spielen, füreinander da sind und sich gegenseitig helfen. Sie werden liebevoll betreut, haben Essen, Kleidung, ein festes Dach über dem Kopf, richtige Betten und können regelmäßig zur Schule gehen. Zahras Mutter sagte, sie käme nicht in der Absicht ins Waisenhaus, ihr Kind wegzugeben. Sie suchte Betreuung und Unterkunft für ihr Baby nur für drei Tage, damit sie alles regeln und nach Hilfe suchen könne. Aber sie kam bis heute nicht zurück. Doch Zahra ist nicht allein. Die Wüstenkinder haben sie mit offenen Armen empfangen, tragen die Kleine herum, spielen mit ihr, singen für sie, geben ihr die geliebte Milch und vor allem ganz viel Liebe. Insbesondere die Mädchen verhalten sich Zahra gegenüber wie fürsorgliche Schwestern. Ob Zahra ihre Mama wiedersieht, kann niemand sagen, und das Wissen, zurückgelassen worden zu sein, wird Zahra irgendwann verarbeiten müssen. Und doch hat sie nun ein Zuhause – und jede Menge Geschwister hinzubekommen.

Zahras Geschichte kann als Beispiel für viele der Kinder stehen, die in unseren Waisenhäusern leben und teilweise schon als Säuglinge zu uns kamen. Jedes ihrer Schicksale berührt uns tief, und doch freuen wir uns jedes Mal, wenn wir Dank eurer Unterstützung einem weiteren Kind ein familiäres Zuhause geben können. Für uns, aber auch für unsere Mitarbeiter und die Leiter der Waisenhäuser ist es selbstverständlich, jedes Kind aufzunehmen, ihnen Geborgenheit, Liebe und Wärme zu schenken und Perspektiven für die Zukunft zu öffnen, die sie davor bewahren, selbst und mit eigenen Kindern in ähnlich schwere Situationen zu geraten.

 

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